Methodik

Formel, Quellen und bekannte Grenzen jeder verwendeten Kennzahl — einschliesslich der Trueflation-Formel (Linie 2, unten).

Linie 1 — Offizielle Inflation (LIK)

Quelle
BFS Landesindex der Konsumentenpreise, Gesamtreihe ("Ewige Reihe"), verkettet vom Bundesamt für Statistik selbst.
Zeitraum
Juni 1914 bis laufend, monatlich.
Berechnung
1:1 Übernahme des amtlichen Indexstands, keine eigene Neuberechnung.
Bekannte Grenzen
Der Datenendpunkt ist keine dokumentierte öffentliche API, sondern der interne Anwendungszustand einer BFS-Webapplikation. Zur Absicherung gleichen wir jeden neuen Monatswert automatisch gegen die separat publizierte BFS-Medienmitteilung ab (Drift-Erkennung).

Linie 3 — Geldmengenausweitung (M2)

Quelle
SNB Datenportal, Cube "snbmonagg", Dimension M2 (Bestand).
Wichtige methodische Klarstellung
Geldmengenwachstum ist keine alternative Berechnung derselben Grösse wie LIK oder Trueflation. Es misst die Verwässerung der Geldmenge, nicht die Preisentwicklung — beide sind nach der Quantitätstheorie nur locker gekoppelt (Beispiel: Geldmengenwachstum nach 2008 bei gleichzeitig niedriger Konsumenteninflation).
Warum M2 (nicht M1 oder M3)?
M2 bildet ab, was die meisten intuitiv als "ihr Geld" verstehen — verfügbares plus gespartes Geld — und ist die international gängigste Referenz in Inflationsdebatten. M1 (nur Bargeld und Sichteinlagen) ist dafür zu eng gefasst, M3 zu stark von institutionellem Anlageverhalten geprägt.
Frequenz
Monatlich.

Linie 2 — Trueflation

Trueflation v1 (final, 29.08.2026) = offizieller LIK (ab 2020 miet-korrigiert) + Prämienkorrektur. Der fixe Warenkorb wurde ebenfalls geprüft, aber bewusst nicht integriert — siehe "Offene Punkte" unten. Diese Seite beschreibt ausschliesslich das real implementierte System.

Formel (monatlich)

rentMonthlyFactor = (1 + Miet-Korrektur_pp/Jahr / 100)^(1/12)  [nur ab 2020]

LIK_korrigiert(Monat) = LIK_Wachstumsfaktor(Monat) × rentMonthlyFactor  [nur ab 2020, sonst unverändert]

P_konsum(Fixierungsjahr) = P_brutto(Fixierungsjahr) / C_brutto

Prämiengewicht w(Fixierungsjahr) = P_konsum / (1 + P_konsum)

pm(Jahr) = (1 + Prämien_Jahreswachstum(Jahr))^(1/12) − 1

combined_growth(Monat) = LIK_korrigiert(Monat)^(1−w) × (1 + pm)^w

Trueflation(Monat) = Trueflation(Monat − 1) × combined_growth(Monat)

Reihenfolge ist verbindlich (nicht vertauschbar): erst wird die Preisreihe (LIK-Wachstumsfaktor) um die Miet-Korrektur bereinigt, danach greift die Prämien-Gewichtsformel. Die Miet-Korrektur wirkt ausschliesslich ab Januar 2020(Datengrundlage beginnt dort) — davor läuft die LIK-Komponente unverändert, der Bruch wird am Datenpunkt sichtbar gekennzeichnet, nicht rückwirkend geglättet. Sie verwendet die Variante "Bevölkerungsanteil": gewichtet mit dem tatsächlichen Anteil der Neubezug-Klasse an der Bevölkerung (+0,0608 Prozentpunkte/Jahr) — nicht die volle Neubezugs-Variante (die unterstellen würde, alle wohnten zu Neuvermietungspreisen) und nicht die mit der Umzugsquote gewichtete Variante (die nur Jahresumzüge statt kumulierter Exposition erfasst).

Die Datenpunkte sind monatlich (wie beim offiziellen LIK), die Prämienkorrektur wird jedes Jahr aktualisiert. pm ist die monatlich-äquivalente Prämienrate — rechnerisch so konstruiert, dass zwölf Monate mit dieser Rate exakt das amtliche Jahreswachstum der Prämien ergeben. Die Gewichtung ist geometrisch (Exponenten), nicht arithmetisch (gewichtete Summe) — nur die geometrische Form bleibt konsistent, wenn zwölf monatliche Schritte zu einem Jahresschritt verkettet werden.

Wichtig für die Interpretation der offiziellen LIK-Linie im Chart: Die Miet-Korrektur fliesst ausschliesslich in die Trueflation-Linie ein. Der ausgewiesene LIK-Wert und die ausgewiesene LIK-Wachstumsrate bleiben in jedem Monat identisch mit dem amtlichen BFS-Wert, unabhängig davon, ob die Miet-Korrektur für den betreffenden Zeitraum aktiv ist.

P_brutto ist der Anteil der obligatorischen Krankenkassenprämien (Grundversicherung) am Bruttoeinkommen, aus der amtlichen BFS-Haushaltsbudgeterhebung (HABE) — je Fixierungsjahr der zu diesem Zeitpunkt gültige Wert, nicht ein einzelner Referenzwert für alle Jahre: 2010 = 5.4089 %, 2015 = 6.1841 %, 2020 = 6.4457 % (die Reihe wird alle 5 Jahre neu fixiert; 2025 gilt bis zur nächsten HABE-Publikation weiterhin das 2020er-Gewicht).C_brutto ist die Konsumausgabenquote am Bruttoeinkommen (HABE-Summenzeile "Konsumausgaben", 48.8 %) — als Näherung für alle Fixierungsjahre verwendet, da diese Quote über die Zeit relativ stabil ist; nicht separat je Fixierungsjahr recherchiert.

Die Prämien stehen in der HABE strukturell getrennt von den Konsumausgaben (eigene Position "obligatorische Transferausgaben") — sie überschneiden sich damit nicht mit dem bestehenden LIK-Gesundheitsgewicht, das nur tatsächlichen Gesundheitskonsum (Arzt, Medikamente, Franchise) abbildet. Die Addition ist keine Doppelzählung, sondern folgt der amtlichen Kategorisierung.

Startpunkt, Verkettung und Januar-Übergänge

Die Reihe beginnt Januar 2010 (limitierender Faktor: Datengrundlage für spätere Korrekturkomponenten) und startet exakt auf LIK-Niveau (kein künstlicher Offset).

Die Prämienrate pm wird jedes Jahr zum 1. Januar aktualisiert (neuer amtlicher Jahreswert), das Prämiengewicht w dagegen nur an den drei Fixierungsjahren (2010/2015/2020). Jeder Januar trägt daher eine kleine, bewusst nicht geglättete Änderung der Prämienkomponente — nicht nur an Fixierungsjahren. Geglättet wird bewusst nicht: Glätten würde entweder bereits publizierte Monate rückwirkend ändern oder vorausschauend interpolieren — beides würde dem Transparenz- und Anti-Erfindungs-Prinzip dieses Projekts widersprechen. Jeder betroffene Monat ist stattdessen mit einem sichtbaren Hinweis versehen (im Rohdatenfeed alstransitionNote).

Wird ein amtlicher Prämienwert nachträglich revidiert (provisorisch → definitiv, planmässiger Vorgang), fliesst die Revision beim nächsten Berechnungslauf automatisch in die gesamte Reihe ein — publizierte Werte werden nicht dauerhaft eingefroren. Diese Revisionen materiell in der Änderungshistorie zu protokollieren ist als nächster Schritt vorgesehen, aber noch nicht umgesetzt.

Offene Punkte — bewusst nicht enthalten

Fixer Warenkorb (Substitutionseffekt-Korrektur)
Geprüft, als Befund dokumentiert, bewusst nicht integriert. Die aktuellsten amtlichen Gewichte (13 Hauptgruppen, Tabelle "LIK-Warenkorb und Gewichte 2026") wurden rückwirkend 2010–2024 fixiert und gegen dieselbe 13er-Struktur verrechnet wie die verkettete Reihe. Gemessener Effekt: −0,035 Prozentpunkte/Jahr — das Kriterium (Betrag ≥ 0,10 pp/Jahr) wurde nicht erfüllt, obwohl die Datenabdeckung vollständig war (15 von 15 Jahren). Mit aktuellen Gewichten rückwärts gerechnet ist das methodisch eine Paasche-artige Konstruktion (nicht Laspeyres) — ein Index mit historischen Basisjahr-Gewichten würde tendenziell in die andere Richtung weisen; solche Gewichte sind für die aktuelle 13-Gruppen-Struktur aber nicht verfügbar.
Strom / Elektrizität
Dauerhaft ausgeschlossen. Strom ist bereits vollständig und monatlich im LIK enthalten (Teil von "Wohnen und Energie"). Eine zusätzliche Korrektur würde Strom doppelt zählen — anders als bei Prämien und Mieten existiert hier keine dokumentierte Lücke.

Miet-Korrektur — integriert, mit Vorbehalt

Anders als der Warenkorb-Befund ist die Miet-Korrektur seit dem 29.08.2026 Teil der Hauptlinie (siehe Formel oben). Drei Varianten wurden geprüft: gegen den Gesamtdurchschnitt (−0,156 pp/Jahr, verworfen — Vorzeichen dreht gegenüber den anderen Varianten), voll gegen die längste Bezugsdauer-Klasse (+0,253 pp/Jahr, verworfen — unterstellt, alle wohnten zu Neuvermietungspreisen), und mit der Umzugsquote gewichtet (+0,024 pp/Jahr, verworfen — erfasst nur Jahresumzüge statt kumulierter Exposition). Gewählt wurde die Variante Bevölkerungsanteil (+0,0608 pp/Jahr): gewichtet mit dem tatsächlichen Bevölkerungsanteil der Neubezug-Klasse — dieselbe Logik wie bei der Prämienkorrektur, tatsächliche statt hypothetische Exposition. Datengrundlage deckt nur 2020–2024 ab (5 von 15 Jahren) — deshalb greift die Korrektur ausschliesslich ab 2020, nicht rückwirkend auf die gesamte Reihe. Meldepflichtiger Widerspruchsbefund: Eine Kreuzprüfung gegen die Mietpreis-pro-Quadratmeter-Tabelle zeigt die entgegengesetzte Korrekturrichtung (+1,84 pp) — mögliche, nicht verifizierte Ursache: Neumieter beziehen im Schnitt kleinere Wohnungen.

Einordnung des gemessenen Fensters: Die volle Variante (+0,253 pp/Jahr) gilt für ein BESONDERES Fenster (2020–2024, geprägt vom Angebotsmieten-Schub ab 2022 und den Referenzzinssatz-Erhöhungen 2023) und darf nicht als Dauerzustand gelesen werden — der langfristige Richtwert liegt bei rund 0,5 Prozentpunkten/Jahr Wachstumsdifferenz zwischen Neubezug und Bestand.

Nur der abgedeckte Zeitraum (2020–2024), indexiert auf 2020 = 100 — kein Anspruch auf eine durchgehende 15-Jahres-Linie. Zeigt die volle Neubezug-Variante (+0,253 pp/Jahr), nicht die im Hauptchart integrierte Bevölkerungsanteil-Variante.

Bekannte Einschränkungen der Prämiendaten

  • Bruttoprämien — Prämienverbilligungen sind nicht abgezogen. Das BFS schätzt, dass deren Einbezug das ausgewiesene Prämienwachstum um rund 0,5 Prozentpunkte pro Jahr reduzieren würde.
  • Der aktuellste Prämienwert eines Jahres ist zunächst provisorisch (BAG-Schätzung) und wird im Folgejahr durch den definitiven Wert ersetzt.
  • C_brutto (Konsumausgabenquote) ist eine Näherung — ein Einzeljahreswert, für alle Fixierungsjahre verwendet, nicht separat je Fixierungsjahr recherchiert.

Abgrenzung zu "gefühlter Inflation"

Trueflation bildet die messbare Lücke ab, nicht die gefühlte. Die Differenz zwischen offiziellem LIK und individuellem Kostenempfinden hat drei getrennte Ursachen: tatsächlich fehlende Kategorien wie Prämien (das bildet Trueflation ab), reine Wahrnehmungsverzerrung (kein Messfehler, kein Korrekturgegenstand), und Vermögenspreise wie Wohneigentum (bewusst als Nicht-Konsum ausgeschlossen, wie beim LIK selbst). Der Comparis/KOF-Index der "gefühlten Inflation" rechnet in die entgegengesetzte Richtung (zieht Posten vom LIK ab) — beide Indizes sind nicht widersprüchlich, sondern beantworten unterschiedliche Fragen.

Referenz-Overlays (Gold, Bitcoin)

Optionale Referenzlinien zur Wertaufbewahrung, keine Inflationsmessung — zeigen, wie sich derselbe Betrag in Gold oder Bitcoin entwickelt hätte. Beide Reihen sind abgeleitete Grössen: keine der beiden Roh-Notierungen ist direkt in Schweizer Franken verfügbar, deshalb wird jeweils über einen Wechselkurs umgerechnet.

Gold (CHF)
Gold/CHF = XAU/USD (Twelve Data) × USD/CHF (Twelve Data). XAU/CHF ist auf dem genutzten Twelve-Data-Tarif nicht direkt verfügbar.
Bitcoin (CHF)
BTC/CHF = BTC/USD (Bitstamp) × USD/CHF (Twelve Data). Bitstamp bietet kein direktes BTC/CHF-Paar an, dafür aber eine deutlich längere Historie (ab 18.08.2011) als der zuvor genutzte direkte Twelve-Data-Feed (ab 31.01.2021) — der Grund für die zusätzliche Quelle.
Behandlung fehlender Handelstage
Für Tage ohne passenden Wechselkurs-Gegenwert (z.B. Wochenenden/Feiertage bei den Wechselkursreihen, während Bitcoin 24/7 handelt) wird kein Wert interpoliert oder geschätzt — der Tag fehlt in der abgeleiteten Reihe.

Was hat sich geändert?

Formel-Änderungen, Methodik-Anpassungen, neue Datenquellen und Korrekturen — keine stillen Anpassungen (US 4.10). Vormals eigene Seite /aenderungen, hierher integriert (Betreiber-Vorgabe 05.09.2026) — Änderungen gehören inhaltlich zur Methodik, eine separate Seite für zwei Einträge war unnötige Navigations-Fragmentierung.

  1. Hell/Dunkel-Umschalter, Methodik-Seite ausformuliert (P5)

    Manueller Hell/Dunkel-Umschalter ergänzt (vorher nur Systemeinstellung). Methodik-Seite um die Erklärung der Prämien-Wirkung und ein separates Mini-Chart zur Miet-Korrektur erweitert.

  2. Miet-Korrektur in die Trueflation-Hauptlinie integriert (P4)

    Ab Januar 2020 (Beginn der verfügbaren Datengrundlage) wird die LIK-Komponente zusätzlich um die Differenz zwischen Neubezugs- und Bestandsmieten korrigiert (Variante Bevölkerungsanteil, +0,0608 Prozentpunkte/Jahr). Der offizielle LIK-Wert bleibt davon unberührt. Kernzahl seither: LIK 5,51 % / Trueflation 9,93 % Jahresdurchschnitt 2010–2024 (vorher 9,66 %). Details siehe Methodik.

  3. Referenz-Overlays Gold und Bitcoin hinzugefügt (P4)

    Optional zuschaltbare Vergleichslinien (Twelve Data) im Chart und Kaufkraft-Rechner — Marktdaten, keine Inflationsmessung. Ein ursprünglich geplantes SMI-Overlay entfällt (auf dem genutzten Datenanbieter nicht verfügbar).

  4. Trueflation-Berechnung live geschaltet (P3)

    Die Trueflation-Linie (LIK + Krankenkassenprämien-Korrektur) ist ab jetzt Teil des Hauptcharts, mit eigener Methodik-Seite (Formel, Quellen, bekannte Grenzen). Reihe beginnt 2010 (früheste verfügbare Datengrundlage).

  5. SNB-Leitzins als Overlay hinzugefügt (P2)

    Der SNB-Leitzins läuft als eigene, optional zuschaltbare Linie auf einer separaten Skala (Prozentwert, nicht indexiert) — unabhängig vom Umschalter Niveau/Rate.

  6. SNB M2 als zweite Datenquelle hinzugefügt (P2)

    Geldmengenaggregat M2 (SNB Cube snbmonagg, Dimension GM2) läuft ab jetzt über dieselbe Pipeline-Architektur wie der LIK.

  7. LIK-Quelle verifiziert (P1)

    Der Landesindex der Konsumentenpreise wird aus der BFS-Fachapplikation lik-app.bfs.admin.ch bezogen (Basis: die vom BFS verkettete Gesamtreihe), nicht aus STAT-TAB/PxWeb oder Swiss Stats Explorer — beide enthalten den LIK (noch) nicht.